Rassismus in der Grevener 31

Im Jahr 2020 ist es in unserem Wohnprojekt zu rassistischen Vorfällen gekommen. Wir haben es als Hausgemeinschaft nicht geschafft, Rassismus in unserem Projekt aktiv entgegenzuwirken und Betroffene von Rassismus angemessen zu unterstützen.
Das tut uns aufrichtig leid. 

Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Vorfälle aufzuarbeiten und uns als Hausgemeinschaft kritisch mit Rassismus auseinanderzusetzen. In dem unten verlinkten Text wollen wir die Geschehnisse öffentlich machen und versuchen, unsere bisherige Auseinandersetzung damit zu dokumentieren.

Wenn ihr zu dem Rassismus und/oder diesem Text etwas loswerden wollt, könnt ihr gerne auf uns als Haus oder auf Einzelpersonen zukommen.
Wir freuen uns über Kritik, Fragen oder einfach Redebedarf!

Die Grevener 31

english version:
We are currently working on an english translation of this statement. The english version will be published on this site as soon as possible!

Veranstaltung abgesagt!

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen haben wir uns entschieden unsere Veranstaltung am 19. März in der Zukunftswerkstatt abzusagen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Wenn die Situation es wieder zulässt, planen wir die Veranstaltung nachzuholen.

Auch die Housing Action Week vom 18.-28. März und die Demo am 28. März sind abgesagt.

Solidarische Grüße

die Bewohner*innen der Grevener 31

Vortrag & Gespräch

Grevener Str. - Skizze

Die Geschichte des Wohnprojekts Grevener Straße 31

Von der Besetzung zum selbstverwalteten Wohnen

Do. 19. März // 16:30 Uhr // Zukunftswerkstatt (Schulstraße 45)

Unser Haus wurde im November 1972 aufgrund akuten Wohnraummangels besetzt. Es folgte eine lange Zeit der Unsicherheit, da das Haus stets abrissbedroht war. Erst 2010 wurde der Erhalt des Hauses durch den Stadtrat endgültig beschlossen. Wie genau kam es zum Erhalt des Hauses? Dies wollen wir, Bewohner*innen des heute sanierten Wohnprojekts G31, in einem Vortrag erzählen. Und dabei auch auf das Leben in dem selbstverwalteten gemeinschaftlichen Wohnprojekt eingehen, welches der Wohn+Stadtbau gehört und von unserem Verein „Grevener 31 e.V.“ verwaltet wird. Zur Diskussion steht dabei auch, inwieweit das Modell „Kommunal & Selbstverwaltet“ Vorbildcharakterfür eine andere Form des Wohnens hat.

Die Veranstaltung ist Teil der Aktionswoche (18.-28.03.), die es in Münster im Vorfeld des europaweiten Housing Action Day 2020 (28.03.) geben wird.

Was in der Aktionswoche sonst noch so geboten wird, erfahrt ihr hier:

Homepage, Twitter, Facebook

Neues Mietshäuser Syndikat-Projekt in Münster?!

Einige Freund*innen von uns sind gerade dabei am Rande Münsters ein neues gemeinschaftliches Wohnprojekt auf die Beine zu stellen. Das Projekt soll Teil des Mietshäuser Syndikats werden, mit dem Ziel Haus und Grundstück dem Markt zu entziehen und so dauerhaft günstigen, selbstverwalteten Wohnraum zu schaffen. Momentan benötigt die Gruppe Direktkredite, um das Haus, das sich direkt neben Münsters bisher einzigem Mietshäuser Syndikat-Projekt – der „Grafschaft 31“ – befindet, zu kaufen.

Wir finden das Projekt super und drücken ganz fest die Daumen – Häuser denen, die drin wohnen!

Mehr Informationen zum geplanten Wohnprojekt „Grafschaft 30“ findet ihr hier. Dort erfahrt ihr auch, wie ihr die Gruppe beim Hauskauf unterstützen könnt.

Hier ein WDR-Beitrag über die „Grafschaft 31“:

AfD-Neujahrsempfang blockieren!

Morgen, am 07.02., will die extrem rechte Alternative für Deutschland ihren Neujahrsempfang im Münsteraner Rathaus abhalten. Gestern hat sich in Thüringen mit Thomas Kemmerich von der FDP das erste Mal ein Politiker mit Hilfe der AFD zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Das führt uns noch einmal besonders drastisch vor Augen, wie ernst die Lage ist. Wir werden uns daher morgen – jetzt erst recht! –  der AFD entgegenstellen und uns an den Protesten gegen den Neujahrsempfang beteiligen!

Das Bündnis „Kein Meter den Nazis“ Münster ruft ab 17 Uhr zu Kundgebungen an drei Stellen auf (Prinzipalmarkt, Klemensstraße/Stadthaus 1, Salzstraße/Syndikatplatz) – ALLE HIN DA!

Infos zu den Gegenprotesten findet ihr hier: https://keinenmeter.noblogs.org/post/2020/01/29/7-2-2020-kein-raum-der-afd/#more-1429

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Nazi-Brandanschlag auf selbstverwaltetes Wohnprojekt in Göttingen

2019-11-04 13.00.21In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober hat es einen Brandanschlag auf die Goßlerstraße 17/17a, ein selbstverwaltetes Wohnprojekt in Göttingen, gegeben. Unweit des Hauses sind in derselben Nacht zahlreiche Nazi-Schmierereien aufgetaucht. Ein Zusammenhang beider Taten liegt auf der Hand.

Der Brandanschlag ist kein Einzelfall, er reiht sich ein in eine Vielzahl rechter Übergriffe in den letzten Monaten und Jahren. Nachrichten von rechten Gewalttaten sind zum traurigen Alltag geworden. Bedroht sind alle, die nicht in das rechte Weltbild passen. Dass nur wenige Stunden vor dem Brandanschlag bei der Wahl in Thüringen 23,4 Prozent der Menschen mit der AFD eine faschistische Partei gewählt haben, ist kein Zufall: Die Wahlergebnisse der AFD und die Verbreitung ihrer ausgrenzenden und menschenfeindlichen Ideologie in immer größeren Teilen der Gesellschaft bestärken gewaltbereite Neonazis und rechte Netzwerke.

Der Brandanschlag auf ein linkes, selbstverwaltetes Wohnprojekt und das Abschneiden der AFD in Thüringen zeigen uns einmal mehr: Wir dürfen Neonazis und anderen rechten Akteur*innen keine Bühne bieten, wir müssen ihnen und ihrer menschenverachtenden Ideologie aktiv entgegentreten und für eine solidarische Gesellschaft kämpfen – in Thüringen, in Göttingen, in Münster, überall!

Wir sind mit vielen Menschen, die in der Goßlerstraße 17/17a leben, bereits seit Jahren befreundet. Die Nachricht über den Brandanschlag hat uns getroffen und macht uns wütend.

Unsere Solidarität gilt den Bewohner*innen der Goßlerstraße 17/17a und allen von rechter Gewalt betroffenen Menschen – FCK NZS!

Das Wohnprojekt Grevener 31

 

Weitere Infos: https://gosslerstrasse17a.noblogs.org/news/

Offener Brief der Initiative Münster Bahnstadt-Süd

Wir als Grevener Straße 31 e.V. schließen uns den Forderungen der Initiative Münster Bahnstadt-Süd an und unterstützen den folgenden offenen Brief.
Unser Haus würde es ohne die (illegale!) Besetzung 1972 wahrscheinlich nicht mehr geben. Heute ist die Grevener Straße 31 ein Freiraum in dem 20 Menschen günstig, selbstverwaltet und gemeinschaftlich leben.


Offener Brief:
„Münster ist eine schöne Stadt. So wird es von Besuchern und Bewohnern
Münsters gerne ausgesprochen. So positiv kann man leider über das Plangebiet
noch nicht urteilen.“ Weiterlesen

Neues Recht auf Stadt-Bündnis in Münster!

Wir als Grevener Straße 31 e.V. haben uns vor einiger Zeit mit anderen Wohnprojekten, Projektinitativen und Einzelpersonen zusammen getan und das stadt- und wohnungspolitische Bündnis „Münster gehört uns allen!“ gegründet.

Alle sind eingeladen sich anzuschließen – kommt gerne zu einem unserer Bündnistreffen! Die aktuellen Termine findet ihr auf der Website.

 

Wohnprojekte kritisieren Wohnbaupolitik der Stadt Münster

Vertreter*innen von Wohnprojekten und Initiativen überreichten am 25.06.2018 einen offenen Brief an OB Markus Lewe. V.l.n.r.: Katrin Steiner und Matthias Kayß (Grafschaft 31), OB Markus Lewe, Dina Hamza (Mauritzgruppe), Francisca Jahn (Grevener Straße 31), Manfred Spitz (Gemein-schaftlich Wohnen e.V.), Wolfgang Bensberg (Mitbegründer des BuWo). Foto: Amira Hammami.https://ms-alternativ.de/artikel/wohnprojekte-kritisieren-wohnbaupolitik-stadt-muenster

Wolfgang Bensberg ist der aufgestaute Ärger deutlich anzumerken. Seit über zehn Jahren kämpft er darum, seine Vorstellungen vom gemeinschaftlichen Wohnen in Münster realisieren zu können – bis heute erfolglos. Die Schuld dafür gibt er vor allem der Politik und Verwaltung: „Nicht die Bürger*innen, sondern vor allem die am Gewinn orientierten Investoren profitieren von der Wohnungspolitik in Münster“. Mit dieser Anklage steht der 65-jährige nicht alleine da.

Am Montag, den 25.06.2018, überreichte er zusammen mit einer Gruppe von neun Wohnprojekten, Initiativen, Vereinen und Verbänden Oberbürgermeister Markus Lewe einen offenen Brief. Mit dem besonderen Blick auf gemeinschaftliches Wohnen kritisieren die Verfasser*innen darin die verfehlte Politik der Stadt Münster zur Förderung günstigen Wohnraums. Trotz jahrelanger Forderungen und konstruktiver Vorschläge seien weder bei den Vergabeverfahren noch bei den Konversionsflächen ernsthafte Fortschritte erzielt worden. Im Gegenteil: „Für bereits in Aussicht gestellte Objekte verlangt die Stadt Münster auf einmal 1.900 € pro Quadratmeter oder mehr“, so Bensberg.

Auch Manfred Spitz vom Verein „Gemeinschaftlich Wohnen e.V.“ ist sauer. Eigentlich war ein geeignetes Grundstück in Mecklenbeck für genossenschaftliche Baugruppen wie die seine vorgesehen. Beim Vergabeverfahren vor zwei Jahren sei aber genau dieser Grund und Boden in einem undurchsichtigen Vergabeverfahren an einen Investor ohne Wohnprojektgruppe gegangen. „Und das, obwohl wir der Stadt seit Jahren die Bude einrennen“, klagt Spitz. Die Vergabepolitik müsse sich endlich an den Möglichkeiten der Menschen orientieren und nicht nur an denen von Investoren“.

Entsprechend dieser negativen Erfahrungen liegt ein Schwerpunkt der Forderungen in der konsequenten Reform der Vergabe städtischen Eigentums: Alle zur Verfügung stehenden Grundstücke sollen nach Konzept vergeben werden – bevorzugt an selbst verwaltete Baugemeinschaften, die gemeinschaftlich und solidarisch finanziert sind, wie z. B. Genossenschaften. Über finanzielle Abschläge bei den Kaufpreisen soll die Stadt diejenigen Initiativen fördern, die dauerhaft gesichert günstigen Wohnraum schaffen oder quartiers- und gemeinwohlorientierte Konzepte verwirklichen. Überhaupt verlangt die Gruppe allgemein tragbare Festpreise und lehnt eine Vergabe nach dem Verkehrswert, der sich an Spekulationsgewinnen orientiert, kategorisch ab. Mit Blick auf positive Erfahrungen anderer Städte wie Hamburg, Amsterdam, Tübingen oder Ulm fordern die Unterzeichnenden des offenen Briefes, Bürger*innen mehr zu beteiligen und es grundsätzlich zu ermöglichen, Grundstücke kleinteilig im Rahmen des Erbbaurechtes zu vergeben.

„Vor allem muss die Vergabe transparent und öffentlich erfolgen. Das ist eine unserer ältesten Forderungen“ ergänzt Matthias Kayß. Im Jahre 2013 gründete er zusammen mit Wolfgang Bensberg und anderen Betroffenen das Bündnis urbane Wohnformen (BuWo). Das Netzwerk organisierte einen erfolgreichen Wohnprojektetag und formulierte einen Bürgerantrag. Kayß selbst lebt mit Katrin Steiner und neun anderen Personen seit Januar 2015 in einem Projekt des Mietshäuser Syndikats. Die „Grafschaft 31“ ist eines von 130 Projekten in ganz Deutschland. Das Besondere daran: Die Bewohner*innen sind Mieter*innen, die in ihren Zimmern zu dauerhaft günstigen Preisen wohnen. Um dieses günstige Wohnen zu ermöglichen, gründete die Gruppe eine eigene GmbH. „Mit dieser Kapitalgesellschaft verdient niemand von uns Geld“, stellt Katrin Steiner klar. Sie diene allein dazu, über die Mieten die laufenden Kosten zu decken und weitere Projekte zu ermöglichen.

Francisca Jahn aus dem Wohnkollektiv in der Grevener Straße 31 kritisiert besonders die ungebremst steigenden Mieten in der Innenstadt. Ihr fällt es schwer, den Beteuerungen der Politik Glauben zu schenken. „Jeder günstige und selbst verwaltete Wohnraum in Münsters Innenstadt seit den 1970er Jahren ist uns nicht geschenkt worden. Es ist das Ergebnis langer politischer Kämpfe, auch gegen Politik und Verwaltung“, erklärt Jahn. Bezahlbares und solidarisches Wohnen wie in der „Grevener 31“ dürfe nicht das Privileg weniger Einzelpersonen bleiben.

Einen ganz besonderen Blick auf das gemeinschaftliche Wohnen hat die Beraterin und Supervisorin Dina Hamza. Selbst als Mensch mit Behinderung auf Assistenz angewiesen, sieht sie für sich allein im gemeinschaftlichen Wohnen eine Möglichkeit, gut und nachhaltig in der Stadt zu leben. „Auf ein urbanes Leben mit vielen Menschen um mich, möchte ich nicht verzichten“, stellt Hamza klar.

Warum eine Stadt, die sich bei jeder Gelegenheit für ihre Wohnungs- und Bodenpolitik feiern lässt, aber solchen Gruppen und Organisationsformen nicht mehr Unterstützung zukommen lässt, ist aus Sicht der Verfasser*innen des offenen Briefes unverständlich. Wolfgang Bensberg bringt es auf den Punkt: „Wer sich konkret für die Realisierung gemeinschaftlicher Wohnprojekte mit dauerhaft günstigen Mieten in Münster bemüht, kann sich angesichts solchen Selbstlobs nur die Augen reiben“.

Zum Abschied sagt der OB zu, die aufgestellten Forderungen zu prüfen. Man bleibe im Gespräch. Die Gruppe der Unterzeichnenden verspricht, weiter nachzuhaken.

Den Wortlaut des offenen Briefes gibt’s hier…

Unterzeichnende:

Die Bewohner*innen der Wohnprojekte:

 

Die Vereine und Wohnprojektinitiativen:

 

Weitere Infos:

 

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Offener Brief an Oberbürgermeister Lewe

Die Grevener Straße 31 ist Mitunterzeichner*in des offenen Briefs zur Förderung gemeinschaftlichen Wohnraums in Münster:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Markus Lewe,
bezahlbarer Wohnraum ist in Münster Mangelware – die meisten Grundstücke und Häuser werden an Investoren vergeben. Alternative, selbstorganisierte und solidarisch finanzierte Konzepte wie Genossenschafts oder Mietshäuser-Syndikats-Projekte bekommen keine realistische Chance, diese zu erwerben. Grundstücke wie die Konversionsflächen in Gievenbeck und Gremmendorf bieten die Möglichkeit, zwei große Flächen kleinräumig zu vermarkten. Hier lässt sich modellhaft eine andere Ausrichtung der Stadtentwicklung umsetzen. Wohnprojekte und Baugruppen können hier ihre besonderen Qualitäten zeigen:

1. Langfristiger Erhalt von bezahlbarem Wohnraum, da Baugruppen und Wohnprojekte nicht auf Rendite ausgerichtet sind. Sie bauen erfahrungsgemäß bis zu 20% günstiger als kommerzielle Investoren. Baugruppen und Wohngruppen bremsen damit die Spekulation auf dem Wohnungsmarkt.

2. Baugruppen und Wohnprojekte haben alternative Konzepte des Zusammenlebens, die zum Beispiel auf generationenübergreifendes, inklusives und integratives Wohnen ausgerichtet sind. Sie sind damit geeignet, die aktuellen stadtgesellschaftlichen Herausforderungen wie demographischer Wandel, Integration von Geflüchteten, gesellschaftliche Teilhabe aller zu meistern.

3. Wohnprojekte und Baugruppen engagieren sich in vielfältiger Art und Weise für ein offenes, buntes und respektvolles Miteinander auch in den Quartieren, in denen sie zuhause sind. Sie sind damit ein fundamentaler Baustein für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft, in der sich unterschiedliche soziale Gruppen nicht voneinander abgrenzen, sondern gemeinsam leben.

Damit Wohnprojekte und Baugruppen diese Aktivitäten entfalten können, müssen Besonderheiten bei der Vergabe von Grundstücken und Immobilien berücksichtigt werden:
Frühzeitig müssen Gruppen von Möglichkeiten des Grundstücks- oder Immobilienerwerbs erfahren, da sie in der Regel mehr Zeit für die Entscheidungsfindung benötigen, als dies bei Investoren der Fall ist. Die derzeitige Vergabepraxis städtischer Grundstücke berücksichtigt diese Anforderungen in keiner Weise und muss daher entsprechend geändert werden. Die Regel ist auch, dass Wohninitiativen nur durch die Presse oder persönliche Kontakte erfahren, dass
Grundstücke auf dem Markt sind – und zwar erst dann, wenn sie schon vergeben sind. Wichtige Vorentscheidungen bei der Vergabepraxis in Münster finden im nicht-öffentlichen Bereich statt. Wir fordern als Bürger*innen der Stadt Münster eine Abkehr von der Hinterzimmerpolitik, vollständige Transparenz von Verwaltungsentscheidungen sowie eine echte, ergebnisoffene Beteiligung im Vorfeld. Was die fruchtbare Kooperation von Politik, Verwaltung und Wohnprojektinitiativen angeht, so gibt es in anderen Städten schon lange gute Erfahrungen, von denen auch Münster profitieren kann. So ist in Tübingen mit seinen 86.000 Einwohnern die Stadtentwicklung mit Baugruppen zum grundsätzlichen Konzept gemacht worden. Das findet europaweit große Beachtung und Nachahmer*innen. Seit Mitte der 90er Jahre sind alle Baugebiete nach diesem Konzept gestaltet worden. Mittlerweile gibt es in Tübingen sechs Quartiere auf ca.30 Hektar verteilt. 5200 Einwohner*innen haben dort bezahlbare Wohnungen in attraktiven nutzungsgemischten innerstädtischen Quartieren gefunden.
Münster lässt sich öffentlich loben und auszeichnen für seine Verordnung über die sozial gerechte Bodennutzung. Doch statt auf konsequente Nachhaltigkeit setzt die Stadt noch immer vor allem auf einen Verkauf von Flächen an private und gewinnorientierte Investoren. So sollen ausgerechnet diese Akteure sozialen Wohnungsraum schaffen, obwohl sie Wohnungen in Münster zu Höchstpreisen vermarkten können. Da wundert es nicht, dass jede Möglichkeit genutzt wird, um einen guten Schnitt zu machen: Bestenfalls 25 Jahre sind Investoren an die Auflagen der Wohnbauförderung gebunden, anschließend können sie den Wohnraum zu marktüblichen Mietpreisen vermarkten. Nachhaltige Wohnbauförderung sieht anders aus!

Dabei gibt es Alternativen:
Münster könnte seine Flächen und Immobilien beispielsweise an Projektinitiativen vergeben, die schon in ihrer Struktur so angelegt sind, dass eine Gewinnorientierung ausgeschlossen ist und die Mieten niedrig bleiben. So werden z.B. in einem Mietshäuser Syndikat-Projekt die Mieten nur für die laufenden Kosten verwendet:
Das Abbezahlen aufgenommener Kredite, Instandhaltung und Renovierung der Gebäude sowie ein Solidarbeitrag zugunsten neuer Projekte. Möglich wäre es des Weiteren auch, städtische Flächen im Erbbaurecht zu vergeben – eine in Städten wie Amsterdam lang und gut erprobte Praxis. Auch Wohnprojektgruppen mit weniger Eigenkapital haben über eine Vergabe im Erbbaurecht eine echte Chance, ihre Vorhaben zu realisieren. Grund und Boden bleiben im Eigentum der Stadt und sind kein Spekulationsobjekt. Vertragliche Vereinbarungen über dauerhaft bezahlbare Mieten sichern die Dauerhaftigkeit der Konzepte. Insgesamt muss bei der Vergabepraxis darauf geachtet werden, dass die Sozialbindungsfristen möglichst weit ausgedehnt werden. So ist in Freiburg im Breisgau beispielsweise eine Vergabepraxis mit Bonuspunkten für längere Bindungsfristen entwickelt worden, die die strukturelle Benachteiligung von sozialen Wohnprojekten außer Kraft setzt. Ein solches Vergabeverfahren schließt „normale“ Investoren keineswegs aus. Denn auch diese Unternehmen können sich bewerben und mit der Verlängerung der Bindungsfristen punkten.

Wir fordern,

• eine umgehende, konsequente Veränderung der Vergabepraxis: Alle zur Verfügung stehenden Grundstücke werden bevorzugt an genossenschaftliche, gemeinschafts- und gemeinwohlorientierte oder solidarisch finanzierte, selbst verwaltete Baugemeinschaften, die das Ziel verfolgen, dauerhaft günstigen Wohnraum zu schaffen, vergeben.
• eine Vergabe zu Festpreisen, die nicht an Spekulationsgewinnen orientiert sind, sowie
• die Gewährung von Abschlägen für längere Sozialbindungsfristen bzw. besondere quartiers- und gemeinwohlorientierte Konzepte. Entsprechende Kriterien sollen mit Bürger*innenbeteiligung entwickelt werden.
• Die Vergabe von Grundstücken im Erbbaurecht muss grundsätzlich ermöglicht werden.
• Die Vergabepraxis muss öffentlich und transparent erfolgen.

Wir haben gute Kontakte zu und Erfahrungen aus anderen Städten, die wir in unserer Stadt gern vermitteln, weitergeben und anwenden möchten.

Mit freundlichen Grüßen
Grevener Straße 31 e.V.